
Geschichte und aktuelle Situation
Diese Seite beleuchtet die historische und aktuelle Situation in Tibet unter chinesischer Besatzung sowie die Auswirkungen auf Kultur und Umwelt.
China besetzt Tibet seit 76 Jahren völkerrechtswidrig
Die kommunistische chinesische Volksbefreiungsarmee marschierte 1950 in das de facto und de jure unabhängige Land Tibet ein. 1951 lud die chinesische Regierung die Tibeter zu Verhandlungen ein. Die Chinesen legten der tibetischen Delegation vorgefertigte Vereinbarungen vor, in denen unter anderem festgelegt wurde, dass die Tibeter „die imperialistischen, aggressiven Kräfte“ aus Tibet vertreiben und dass das tibetische Volk „in die Familie der großen Volksrepublik China zurückkehren“ solle. Die tibetische Delegation weigerte sich, das ihr vorgelegte Dokument anzunehmen, da dessen Inhalt überhaupt nicht der Wahrheit entsprach. Außerdem hatte sie kein Mandat, über derartige Fragen zu entscheiden, und führte auch keine Siegel der tibetischen Regierung mit sich. Die Chinesen drohten mit einer noch gewaltsameren Invasion Tibets, falls die Delegation nicht unterzeichne. Sie hielten die Delegationsmitglieder de facto als Gefangene fest. Die Chinesen fälschten die Siegel der tibetischen Regierung und zwangen die tibetische Delegation am 23. Mai 1951, das von ihnen diktierte und illegale „17-Punkte-Abkommen“ zu unterzeichnen. Die Chinesen betrachteten es damit als rechtmäßig, weiter in das Innere Tibets vorzudringen. Die tibetische Regierung erkannte das „17-Punkte-Abkommen“ niemals an, versuchte aber dennoch, das Beste daraus zu machen. Die Chinesen hielten sich jedoch von Anfang an nicht an das „17-Punkte-Abkommen“. Ihre Ansprüche, Forderungen und brutalen Maßnahmen in Tibet gingen so weit, dass es zunächst in Osttibet zu offenem Widerstand kam, der sich im Laufe der Jahre auf ganz Tibet ausbreitete. Als die Chinesen versuchten, Seine Heiligkeit den Dalai Lama zu entführen, um ihn als Marionette zu benutzen oder ihn sogar zu töten, brach am 10. März 1959 in Lhasa ein großer Volksaufstand aus. Die Chinesen schlugen ihn mit äußerster Brutalität nieder; mehr als 80.000 Tibeter verloren dabei ihr Leben.
Um eine noch größere Katastrophe zu verhindern, musste Seine Heiligkeit am 17. März 1959 nach Indien fliehen. Seitdem haben die Tibeter endgültig keine Menschenrechte, kein Recht auf Selbstbestimmung und keine Rechte, ihre eigene Sprache, Religion und Kultur zu pflegen oder ihre ursprüngliche Lebensweise fortzuführen. Die meisten religiösen Stätten wurden von der kommunistischen chinesischen Volksbefreiungsarmee zerstört. Viele Mitglieder der Klostergemeinschaften und zivile Beamte wurden inhaftiert, ohne Grund denunziert, gefoltert und zur Zwangsarbeit gezwungen. Viele wurden hingerichtet. Es bestand ein vollständiges Religionsverbot. Von etwa 6.000 kulturellen Einrichtungen – hauptsächlich Klöstern, in denen mehr als 4.000 Mönche lebten, studierten und beteten – wurden 90 % zerstört. 99 % der Mönche und Nonnen wurden gezwungen, ihre Klöster zu verlassen. Die Kulturrevolution, die von 1966 bis 1976 in ganz China andauerte, war in Tibet besonders verheerend. Die Chinesen zerstörten alle kulturellen Einrichtungen und Gegenstände, die die Volksbefreiungsarmee noch übrig gelassen hatte, und ermordeten Menschen, die weiterhin die buddhistische Religion und Kultur praktizierten. Die verbliebenen religiösen Stätten wurden in einem verwahrlosten Zustand zurückgelassen. Zwischen 1950 und 1979 verloren mehr als 1,2 Millionen Tibeter unter der chinesischen Herrschaft ihr Leben. Die Menschen wurden gezwungen, in Kommunen zu leben und zu arbeiten, was zu einer beispiellosen Hungersnot führte. Ihr Besitz wurde beschlagnahmt. Tagsüber mussten sie Zwangsarbeit leisten und abends bis spät in die Nacht an sogenannten Kampf- und Kritikveranstaltungen (tham-dzing) teilnehmen.
In den 1980er-Jahren konnten die Tibeter die zerstörten Klöster teilweise wiederaufbauen, sodass die wenigen noch verbliebenen Mönche und Nonnen dort wieder leben konnten. Sie lebten jedoch unter strenger kommunistischer Überwachung und Schikanen, obwohl sie eigentlich Ruhe und Abgeschiedenheit benötigten, um ihre spirituellen Übungen ausführen zu können. Bis heute sind sie unaufhörlichen politischen Eingriffen ausgesetzt. Die Welle willkürlicher Verhaftungen von Menschen – verbunden mit Folter und Zwangsarbeit und häufig mit Todesfolge – sowie die Zerstörung religiöser und kultureller Einrichtungen setzten sich bald fort und wurden von Jahr zu Jahr schlimmer. Für die Volksrepublik China sind die tibetische Sprache, Religion und Kultur die größten Hindernisse auf dem Weg zu einer vollständigen Kontrolle Tibets.
Die Menschenrechtssituation in Tibet hat sich von Jahr zu Jahr verschlechtert. Heute haben Menschenrechtsverletzungen und politische Repression ein Ausmaß erreicht, das Verbrechen gegen die Menschlichkeit entspricht, wobei immer mehr Fälle von außergerichtlichen Tötungen, willkürlicher Inhaftierung und Folter in großflächiger und systematischer Weise begangen werden. In China und insbesondere in Tibet fehlt es vollständig an rechtsstaatlichen Möglichkeiten, staatlichen Übergriffen entgegenzutreten. Nun haben die Chinesen begonnen, Tibet nur noch als „Xizang“ („Schatzkammer im Westen“) zu bezeichnen und damit die Existenz Tibets aus dem Gedächtnis der Menschheit zu tilgen.
Die Kommunistische Partei Chinas will alles in Tibet kontrollieren. Sie leugnet die Religion, mischt sich aber gleichzeitig in religiöse Angelegenheiten ein, etwa in die Suche nach und die Auswahl der Reinkarnationen spiritueller Persönlichkeiten, um diese als Marionetten einzusetzen. Der 11. Panchen Lama, Gendün Chökyi Nyima, den das Kloster Tashi Lhünpo und Seine Heiligkeit der Dalai Lama identifiziert und ausgewählt hatten, wurde 1995 im Alter von sechs Jahren gemeinsam mit seinen Eltern festgenommen. Niemand weiß, ob sie noch am Leben sind. Die Kommunistische Partei Chinas will auch die nächste Reinkarnation Seiner Heiligkeit des Dalai Lama bestimmen. Die Suche nach und die Auswahl einer Reinkarnation ist eine alte tibetisch-buddhistische Tradition. Deshalb muss man überzeugter Buddhist sein, um zumindest ein Mitspracherecht bei der Auswahl einer Reinkarnation zu haben. Außerdem muss man Mitglied oder Amtsträger des Klosters oder der Institution sein, zu der diese Reinkarnation gehört. Die Suche nach und die Auswahl einer Reinkarnation ist, wie bereits erwähnt, eine ausschließlich tibetisch-buddhistische Angelegenheit.
In den vergangenen Jahren wurden die beiden großen klösterlichen Akademien in Larung Gar und Yarchen Gar von den Chinesen weitgehend zerstört. Mönche, Nonnen und Laien wurden vertrieben und die Verwaltung von chinesischen Beamten übernommen. Im Dezember 2021 wurde eine 30 Meter hohe Buddha-Statue in Osttibet zerstört; in den darauf folgenden Tagen wurden außerdem eine weitere große Statue und 45 buddhistische Gebetsmühlen abgerissen, die Tibeter in den vergangenen Jahrzehnten errichtet hatten. Die chinesischen Behörden nahmen außerdem mindestens sechs tibetische Mönche fest, weil sie angeblich die Außenwelt über die Zerstörungen informiert hatten. Selbst Tibeter, die lediglich darum bitten, dass ihre religiösen Stätten nicht zerstört werden, werden regelmäßig festgenommen und gefoltert.
Darüber hinaus will die chinesische Regierung die Tibeter assimilieren, indem sie tibetische Kinder – bereits ab dem Kindergartenalter, also ab etwa vier Jahren – dazu zwingt, ausschließlich auf Chinesisch unterrichtet zu werden. Gleichzeitig werden Eltern gezwungen, Chinesisch zu lernen, damit sie zu Hause nur Chinesisch mit ihren Kindern sprechen. Die Kinder werden ihren Eltern gewaltsamweggenommen und in weit von ihrem Zuhause entfernte chinesische Internate geschickt. Mehr als eine Million Kinder wurden bereits in solche Internate gebracht, wo sie ausschließlich Chinesisch lernen und sprechen dürfen, damit sie ihre eigene Sprache und Kultur vergessen oder überhaupt nicht erst mit ihnen in Kontakt kommen. Die Privatschulen, die Tibeter mit Genehmigung der chinesischen Behörden eingerichtet hatten, werden eine nach der anderen zur Schließung gezwungen. Um die tibetische Sprache weiter zu zerstören, sollen auch alle Mönche und Nonnen den Buddhismus ausschließlich auf Chinesisch studieren. Darüber hinaus werden Mönche und Nonnen immer wieder aus ihren Klöstern vertrieben. Fast alle Menschen, die sich für ihre Kultur, Sprache, Umwelt usw. einsetzen, werden unter falschen Anschuldigungen festgenommen und gefoltert. Viele sind einfach verschwunden, wie der derzeitige Panchen Lama, und viele sterben im Gefängnis oder kurz nach ihrer Freilassung an den Folgen der erlittenen Folter. Ein chinesischer „Vernehmungs-Beamter“ sagte zu einem bekannten Tibeter, der sich noch immer im Gefängnis befindet und schwer gefoltert wird: „Es ist dein Pech, dass du Tibeter bist. Wenn du Chinese wärst, wärst du nicht hier“ (in diesem Foltergefängnis).
Am 1. Juli 2026 setzte die KPCh ihr Gesetz zur Förderung der ethnischen Einheit und des Fortschritts in Kraft, das am 12. März 2026 verabschiedet worden war. Mit diesem Gesetz versucht sie, ihre Legitimität und ihren Einfluss zu stärken und gleichzeitig die eigenständigen Identitäten und die Geschichte der Völker unter chinesischer Besatzung – darunter Tibeter, Uiguren und Mongolen – weiter auszulöschen. Dies stellt grundlegende Menschenrechte und die Prinzipien der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte infrage. Mit diesem Gesetz sollen alle von China besetzten Nationalitäten assimiliert und ihre Identitäten ausgelöscht werden. Die Zerstörung kultureller Stätten, Institutionen und Kulturgüter wird nun mit noch größerer Intensität betrieben.
Familien werden überwacht, indem Chinesen dauerhaft in ihren Häusern untergebracht werden; an jeder Ecke befinden sich Kameras zur Gesichtserkennung. Das Internet wird blockiert und jegliche Kommunikation innerhalb Tibets und nach außen wird verboten, sodass es inzwischen nahezu unmöglich ist, Nachrichten aus Tibet zu erhalten. Von allen Tibetern – einschließlich Kindern – werden DNA-Proben genommen. All dies deutet auf den entschlossenen Willen der Chinesen hin, selbst den letzten Widerstand unmöglich zu machen und mithilfe der DNA-Proben Personen überall und jederzeit identifizieren und festnehmen zu können.
Das kommunistische China beutet die natürlichen Ressourcen Tibets rücksichtslos aus. Es begann mit der Plünderung kultureller Schätze und des Eigentums von Privatpersonen und Klöstern. Später wurden großflächige Abholzungen durchgeführt, um Chinas Bedarf an Holz zu decken. Danach rückten die Bodenschätze in den Mittelpunkt. Die Tibeter werden weder gefragt noch darüber informiert, was die Chinesen in Tibet tun, und sie erhalten keinen einzigen Cent von den daraus erzielten Gewinnen. Zurück bleiben zerstörtes Land, aufgewühlte und verschmutzte Erde sowie eine weitgehend vergiftete Landschaft und vergiftete Flüsse. Tibetische Nomaden werden zwangsweise umgesiedelt, überall dort, wo das kommunistische China Bodenschätze vermutet oder Fabriken oder Staudämme errichten will. Für diese Menschen ist es anschließend schwierig, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Manchmal werden auch die neuen Siedlungen wieder abgerissen, und die Bewohner müssen dann selbst sehen, wo sie bleiben und ihren Lebensunterhalt verdienen können.
Tibet ist die Quelle des Wassers für viele Milliarden Menschen in Asien. Alle großen Flüsse Südostasiens entspringen in Tibet. Seit Jahren bauen die Chinesen in Tibet riesige Staudämme, viele davon in sehr geringer Entfernung voneinander. Dabei werden alte Klöster und ganze Dörfer zerstört. Der Bau dieser Staudämme führt zu Wasserknappheit in den Nachbarländern. Zudem handelt es sich bei der gesamten Region um ein erdbebengefährdetes Gebiet. Sollte daher ein Damm infolge eines Erdbebens brechen, könnte dies einen Dominoeffekt auslösen und zu einer unvorstellbaren Flutkatastrophe mit verheerenden Folgen für Menschen und Eigentum führen. Darüber hinaus wollen die Chinesen eine Reihe von Flüssen nach China umleiten, was wiederum zu einer weiteren Wasserknappheit in den Nachbarländern führen wird.
Die Umweltzerstörung, die durch die Anwesenheit chinesischer Militärangehöriger, Arbeiter, Siedler und Touristen in Tibet verursacht wird, ist gravierend. Zu den relevanten Faktoren gehören der Verbrauch von Heizöl und Treibstoffen, Abgasemissionen und Umweltverschmutzung sowie die Ausbeutung natürlicher Ressourcen. Tibet verfügt über große Gletscher- und Permafrostgebiete, die aufgrund des Klimawandels rasch abschmelzen bzw. auftauen. In diesem Zusammenhang wird Tibet häufig als der „dritte Pol der Erde“ bezeichnet. Die Umweltzerstörung in Tibet ist ein bedeutender Faktor, der zur globalen Erwärmung beiträgt. Dieses Problem betrifft nicht nur die sechs oder sieben Millionen Tibeter, sondern ist von universeller Bedeutung für die gesamte Menschheit.
Im Februar 2024 wurden innerhalb weniger Tage mehr als 1.000 Tibeter, darunter viele Mönche, in einem Gebiet im Osten Tibets festgenommen, nachdem sie die Chinesen aufgefordert hatten, den Bau eines riesigen Wasserkraftkomplexes zu stoppen, der inzwischen sechs buddhistische Klöster zerstört und zur Umsiedlung von zwei Dörfern geführt hat. Tibeter, die das Haftzentrum aufsuchten, um die Freilassung der festgenommenen Tibeter zu fordern, wurden ihrerseits festgenommen. Die Inhaftierten wurden aufgefordert, Bettzeug und Lebensmittel mitzubringen, was darauf hindeutet, dass sie nicht so bald freigelassen werden würden.
Aufgrund dieser schrecklichen Situation haben sich seit 2009 mehr als 170 Tibeter selbst verbrannt, um auf ihre Beschwerden und ihre Notlage aufmerksam zu machen. Fast alle von ihnen starben. Wenn sie nicht sofort starben, wurden sie in chinesischen Gefängnissen inhaftiert, wo sie noch größeres Leid erlitten. Am 2. Juli 2026 setzte sich ein Tibeter vor dem Gebäude der Vereinten Nationen in New York selbst in Brand und starb – infolge dieses neuen, von der KPCh verabschiedeten Gesetzes. Er wollte außerdem erreichen, dass die Welt angesichts der Situation in Tibet nicht mehr länger die Augen verschließt. Daher appellieren wir Tibeter an alle freiheits- und demokratisch gesinnten Menschen, Nationen und Politiker, ihre Solidarität mit dem tibetischen Volk zu zeigen und dazu beizutragen, dass das kommunistische China die Menschenrechte und den Umweltschutz in Tibet respektiert. Bitte unterstützen Sie Tibet mit Ihren Worten und Taten.
(V.i.S.d.P.): Tsering Ngodup, Mitglied des Beirats des Vereins der Tibeter in Deutschland und Mitglied der TID-Regionalgruppe Darmstadt 1. März 2022, jährlich aktualisiert bis zum 24. Juli 2026
Buchempfehlungen: Michael van Walt van Praag und Miek Boltjes: Tibet Brief 20/20.
Prof. Hon-Shiang LAU: Tibet was Never Part of China Before 1950: Examples of Authoritative pre-1949 Chinese Documents that Prove It.

